Investitionen richtig planen und finanzieren

  • Egal ob ein neues Dienstauto, eine zeitgemäße Büroausstattung, eine neue Produktlinie oder der Ausbau der Werkstatt. Per Definition des Gabler Wirtschaftslexikons ist eine Investition eine „langfristige Bindung finanzieller Mittel in materiellen oder in immateriellen Vermögensgegenständen.“ Und wer sich lange bindet, sollte vorher bekanntermaßen gut prüfen. Was also ist bei Investitionen unbedingt zu beachten? Grundsätzlich unterscheidet man je nach Anlass zwischen Gründungsinvestitionen, Ersatz-, Erweiterungs- und Revitalisierungsinvestitionen. Die folgenden Punkte beziehen sich vor allem auf Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen bestehender Unternehmen, also etwa eine Modernisierung oder Vergrößerung. Geht es um eine neue Produktionslinie bzw. einen neuen Zweig, wäre ein genauerer Businessplan erforderlich.

Überlegungen vor der Investition

  • Im Zuge der Investitionsplanung sollte man sich vorab einige wesentliche Fragen stellen. Bernhard Weiser, Ombudsmann der Sparte Bank und Versicherungen bei der Wirtschaftskammer Wien, rät dazu, unbedingt auch externe Faktoren zu berücksichtigen: „Analysieren Sie den Markt. Fragen Sie sich zum Beispiel, wer die Abnehmer Ihres Produktes sind – sowohl die bestehenden, als auch die neuen. Wurde der Produktpreis richtig kalkuliert, falls die Neuinvestition in ein neues Produkt fließt? Behalten Sie außerdem den Mitbewerb im Auge.“

Konkrete Pläne schmieden

  • Im Investitionsplan sollten neben der Ermittlung der Gesamtkosten und der Finanzierungsarten – also Eigenmittel, Privat- und Bankdarlehen – auch die Anlaufkosten bzw. die angenommenen Erträge (z.B. für 6 Monate) berücksichtigt werden.
    „Der Investitionsplan muss jedenfalls die detaillierten Kosten beinhalten“, sagt Bernhard Weiser. „Das Projekt muss zur Gänze durchkalkuliert sein, so erspart man sich problematische Nachfinanzierungen.“
    Fragen Sie sich, wie sich das Produkt bzw. die Investition auf das Unternehmen selbst auswirken wird. Wird es zu einer Umsatzsteigerung kommen? Denken Sie daran, eine Gewinn- und Verlustrechnung zu machen und erstellen Sie eine Planbilanz. Um eine entsprechende Übersicht zu erhalten sind zumindest drei Geschäftsjahre zu planen.

Die Rolle der Liquidität

  • „Auch wenn ein Unternehmen Gewinne schreibt, kann es aufgrund von nicht vorhandener Liquidität scheitern“, sagt Bernhard Weiser. Zum Beispiel, weil viel Material bestellt wurde, man mit der Fertigung des neuen Produkts aber nicht nachkommt. Das erzeugt dann etwa hohe Kosten im Warenlager. Oder es bestehen hohe Kundenforderungen und zu lange Zahlungsziele. Deswegen ist es so wichtig, zum Investitionsplan auch einen entsprechenden Liquiditätsplan zu erstellen.

Richtig finanzieren

  • „Bevor Sie starten und sich um die Finanzierung kümmern, sollte jedenfalls klar sein, über welche Sicherheiten Sie verfügen“, sagt Bernhard Weiser. Das können etwa Wertpapiere, Immobilien, Sparbücher oder eine Lebensversicherung sein. Stellen Sie sich auch folgende Fragen:

    • Reicht der bestehende Cashflow aus, um die Rückzahlung der Fremdmittel zu garantieren?
    • Oder ist dazu eine Umsatzausweitung nötig?
    • Welche Fördermöglichkeiten gibt es? (beispielsweise übernimmt das Austria Wirtschaftsservice unter bestimmten Voraussetzungen Ausfallhaftungen, oder wenden Sie sich etwa an das WKBG – Beteiligungen und Bürgschaften für die Wiener Wirtschaft)
    „Ganz wichtig ist es“, sagt Bernhard Weiser, „die wirtschaftliche Nutzungsdauer mit der Laufzeit des Investitionskredits abzustimmen. Wenn also etwa eine neue Maschine angeschafft wird, sollte man sich fragen, wie lange man etwas davon hat, bevor wiederum eine Neuanschaffung nötig ist, und wie lange der Kredit dazu läuft.

Alternative Finanzierungsmöglichkeiten

  • Möchte man keinen Bankkredit aufnehmen, gibt es zum Beispiel die Option des Crowdfunding. „Das hat den Vorteil, dass man dabei gleich ein Gefühl für Interessenten bzw. den Markt bekommt“, sagt Bernhard Weiser. Denn Geldgeber wären naturgemäß auch am Produkt interessiert.

Investitionen finanzieren für Neugründer

  • Vor allem für neuartige Geschäftsideen mit klarem Alleinstellungsmerkmal, großem Marktpotenzial und hohen Wachstumschancen könnte auch eine Finanzierung über die Business Angels in Frage kommen. Das sind Personen, die jungen Unternehmen mit Eigenkapital, Managementerfahrung und Business-Kontakten beratend zur Seite stehen.

Tipps: Die Investitionsplanung im Griff

    • Erstellen Sie Ihre Jahresbilanz möglichst zeitnah und machen Sie eine Planbilanz (Umsatz-Kostenplanung) für das Folgejahr. Eine gute Hilfe dabei kann das eigens entwickelte Tool auf Excel-Basis der WKO, „Zahlen im Griff“, sein
    • Je nach Unternehmensgröße sollte die Saldenliste vierteljährlich oder monatlich überprüft werden, um Schwankungen gegenüber dem Vormonat bzw. dem Vorjahr im Blick zu haben.
    • Achten Sie auf Ihre Liquidität – Führen Sie z.B. genaue Debitorenlisten
    • Beantragen Sie einen Kredit, werfen Sie vor dem Termin einen Blick in die WKO-Broschüre zur Vorbereitung auf das Bankgespräch