[Intro & Outro]
Am Puls mit der Standesbank, der Podcast der österreichischen Ärzte und Apothekerbank. Gründen, finanzieren, digitalisieren. Wir begleiten Sie auf dem Weg in die Selbstständigkeit.
[Christian Petz]
Herzlich willkommen bei Am Puls mit der Standesbank, dem Podcast der österreichischen Ärzte und Apothekerbank. Heute sprechen wir über ein Thema, das den Gesundheitssektor in Österreich immer stärker beschäftigt: Nachhaltigkeit in Arztpraxen und Apotheken. Was bedeutet es, eine Ordination, Primärversorgungseinheit oder Apotheke wirklich klimafit zu machen? Welche Maßnahmen lohnen sich? Welche werden gefördert und wo fängt man überhaupt an? Mein heutiger Gast begleitet Gesundheitseinrichtungen genau bei diesen Fragen. Als Berater und Experte, der Projekte dieser Art in die Praxis umsetzt und die Antworten aus erster Hand kennt. Schön, dass Sie heute bei uns sind. Herzlich willkommen, Diplomingenieur Andreas Karner von ConPlusUltra. Hallo.
[Andreas Karner]
Hallo.
[Christian Petz]
Bitte stellen Sie sich unseren Hörerinnen und Hörern kurz vor und nehmen Sie uns gleich mit ins Thema. Was macht ConPlusUltra und wie sind Sie persönlich zum Thema Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen gekommen?
[Andreas Karner]
Sehr gerne. Erst einmal herzlichen Dank für die Einladung.
[Christian Petz]
Gerne.
[Andreas Karner]
Ja, ich beschäftige mich schon sehr lange mit dem Thema Nachhaltigkeit, durchwegs auch schon in Gesundheitseinrichtungen, schon für einige Jahre. Wir von ConPlusUltra sind Berater. Wir sind eine Beratungsfirma. Ich bin dort Geschäftsführer und Partner. Schon seit über 20 Jahren am Markt, genau genommen 25 Jahre werden es heuer. Das Thema Beratung in Richtung Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Energie, Energieeffizienz, das sind alles Themen, die bei uns sehr stark verankert sind und wo wir auch sehen, dass wir in unserem Auftrag, in unserem Beratungsauftrag für verschiedenste Organisationen, Unternehmen, private Unternehmen, Industrie, aber auch öffentliche Einrichtungen und auch Gesundheitseinrichtungen unsere gesellschaftliche Verantwortung eigentlich sehr stark wahrnehmen können, indem wir Organisationen dabei unterstützen, Umweltschutz und Nachhaltigkeit, technische Lösungen zu verbinden. Und das ist auch da, wo ich herkomme, auch das Thema, was mich immer sehr stark geprägt hat, auch seit Studienzeiten. Und ich bin seit über 25 Jahren in der Beratung tätig. Unser Auftrag ist es tatsächlich, hier Organisationen gezielt zu unterstützen. So eine Stoßrichtung, die wir auch jetzt als Gesellschaft zu leisten haben, ist: Wie kommen wir weg von fossilen Energieträgern? Wie schaffen wir es, unseren CO2-Fußabdruck zu reduzieren? Das sind Fragen, die durchwegs anspruchsvoll sind und die durchwegs auch einerseits pragmatische Lösungen brauchen. Ich glaube, wir haben schon sehr viele Lösungen auf dem Tisch, aber es geht darum, wie setzen wir die um? Wie setzen wir die zielgerichtet um? Wie nehmen wir vor allem alle mit? Und das ist auch ein bisschen unsere Stoßrichtung, auch in den Beratungen, die wir bei Gesundheitseinrichtungen machen, bei Apotheken, Ärzten, aber auch bei großen Kliniken und Pflegeeinrichtungen. Wie können wir Entscheidungsträger überzeugen? Und das ist einfach auch eine Frage, die wir uns alle stellen müssen, nicht nur im Kleinen, auch in den Entscheidungen, die wir daheim und so im Kleinen treffen, sondern auch als große Organisationen. Und das ist der Zweck oder der Hintergrund meiner Tätigkeiten.
[Christian Petz]
Nachhaltigkeit ist ein Begriff, den man heute überall hört. Was bedeutet der konkret für eine Apotheke oder Arztpraxis? Was steckt dahinter, wenn wir von klimafit sprechen?
[Andreas Karner]
Ja, wenn wir sagen klimafit, dann meinen wir ganz konkret, dass eine Gesundheitseinrichtung so aufgestellt ist, dass sie einerseits ihren ökologischen Fußabdruck kennt, diesen ökologischen Fußabdruck auch minimieren kann und gerade zu den Fragestellungen, die wir jetzt rund um Klimaschutz haben, Klimawandel, auch das, wenn wir jetzt heute herausschauen, gut und gerne 35 Grad, dann merken wir, dass wir auch da einige Herausforderungen zu stemmen haben. Und das klimafit bezieht sich jetzt auch auf diese speziellen Herausforderungen, die eine Einrichtung hat. Nachhaltigkeit ist für mich etwas sehr weit Gefasstes, das wir auch unter verschiedenen Themenstellungen natürlich auch näher beleuchten. Aber wenn ich jetzt ein Beispiel hernehme von einer Arztpraxis oder einer Apotheke, wir kommen ja dann nachher auch noch ein bisschen mehr zu den Details. Energieverbrauch senken beispielsweise oder überhaupt den Energieverbrauch zu kennen und darauf zu reagieren. Wie können wir damit auch effizient mit Energie umgehen? Wie können wir unsere Heizungssysteme so smart machen oder auch unsere Kühlung, dass wir möglichst wenig verbrauchen oder möglichst angepasst unseren Verbrauch steuern, gleichzeitig Abfälle vermeiden, gut trennen. Nachhaltigkeit wirkt sich auch beim Einkauf aus. Wie kaufen wir vermehrt nachhaltige Produkte ein? Gerade im Apothekensegment sicherlich auch eine große Herausforderung, das ganze Thema Medikamente, Medikamenteneinkauf und -verbrauch. Ja, das sind nur Beispiele dafür, wie wir uns grundsätzlich als Organisation, als Einrichtung, als Gesundheitseinrichtung ressourcenschonend organisieren können. Und klimafit bedeutet kurz gesagt, dass wir uns gegen Energieverschwendung, gegen Umweltbelastung wappnen und dass wir da unsere Aufgabenstellungen kennen und dass wir insbesondere auch ein Bewusstsein schaffen. Für mich ist das auch immer ein bisschen ein Thema der Organisationskultur, im Kleinen wie im Großen. Klimaschutz ist für mich auch ein sehr starkes Thema der Gesundheitsförderung zum Beispiel. Da kommen auch viele Dinge integral dazu. Wenn wir beispielsweise hier ein angenehmes Raumklima schaffen, im Sommer genauso wie im Winter, wenn wir es vermeiden, Schadstoffe in Baumaterialien so gering wie möglich zu halten, wenn wir uns gesund ernähren oder wenn wir uns aktiv bewegen, dann sind das alles Merkmale von bewusstem Leben, von Gesundheit, gesund und fit zu bleiben und insofern auch klimafit zu sein oder klimafit zu werden. Das wäre für mich so ein bisschen der Anspruch in den Gesprächen, den Diskussionen, die wir auch mit Gesundheitseinrichtungen führen, dass wir da alle Mitarbeiter mitnehmen, dass wir die Leute entsprechend aufklären, dass wir die Leute entsprechend schulen und somit auch Ziele verfolgen, die dazu führen, dass im Kleinen wie im Großen Maßnahmen umgesetzt werden. Und das wäre für mich so ein bisschen eine Definition des Begriffs klimafit.
[Christian Petz]
Vielen Dank. Nachhaltigkeit im Gesundheitsbereich, das klingt erst einmal, wenn ich das so salopp sagen darf, nach mehr Aufwand. Warum lohnt es sich trotzdem, in dieses Thema zu investieren?
[Andreas Karner]
Ich glaube, Nachhaltigkeit ist heutzutage kein sozusagen Nice-to-have mehr. Also es ist nicht etwas, was wir als Option sehen oder was wir als Zusatzbenefit sehen. Ich glaube, Nachhaltigkeit ist in vielen Unternehmen schon, auch große Unternehmen, aber auch kleine nutzen das auch tatsächlich, zu einem Kern ihrer eigenen Unternehmensstrategie zu machen. Insofern ist Nachhaltigkeit eine Prämisse, die sich allenfalls lohnt oder idealerweise auch lohnt. Ich sage jetzt einmal drei Punkte, die man üblicherweise auch mit Nachhaltigkeit in Verbindung bringt. Das ist einerseits die wirtschaftliche Nachhaltigkeit. Also das Thema muss wirtschaftlich sein. Das Thema ist wirtschaftlich. Wir können die meisten Klimaschutzmaßnahmen sparen, kurz-, mittel- oder langfristig Kosten ein. Das ist einmal ein ganz wesentliches Argument, auch wenn man jetzt mit Einrichtungen spricht. Energiekosten, wir wissen alle, das Thema gestiegene Energiepreise ist gerade auch ein sehr aktuelles. Um zukunftsfit zu werden, also in dem Sinn auch klimafit zu werden, müssen wir das proaktiv angehen. Wir müssen einmal verstehen lernen, wie sind unsere Kosten überhaupt in unserem Unternehmen gelagert? Wie können wir es schaffen, letztendlich auch Betriebskosten langfristig damit einzusparen, indem wir zukunftsfit, klimafit, wirtschaftlich agieren. Zweitens hat es für mich eine ganz starke strategische Komponente. Wie ich gesagt habe, Nachhaltigkeit gehört einfach zu einem modernen Gesundheitsunternehmen einfach dazu. Ist einfach eine Prämisse, dass wir auch hier nicht nur zeitgemäß agieren, sondern im Wesentlichen auch klare Strategien erarbeiten. Für eine kleine Apotheke oder für eine kleine Arztordination hängt das sehr stark auch mit den Entscheidungsträgern, mit den Verantwortlichen, mit den Eigentümern zusammen, da einfach auch agil zu sein, sich auch da konkrete Dinge vorzunehmen. Unsere Aussage auch vor allem bei großen Einrichtungen, gerade bei Kliniken ist es immer, wenn wir nachhaltig im Kleinen sind, sind wir es im Großen umso mehr. Wir können damit auch die Resilienz schaffen oder wir schaffen es auch, im Wesentlichen widerstandsfähiger zu werden gegenüber Veränderungen. Das können regulatorische Veränderungen sein, das können jetzt im Wesentlichen auch die klimatischen Veränderungen sein, denen wir unterliegen. Das ist ein zweiter, ganz wesentlicher Aspekt und der dritte ist für mich auch ein ethischer. Im Gesundheitswesen geht es darum, Gesundheit und Wohlbefinden zu fördern. Das ist eigentlich der ureigenste Auftrag. Und wenn wir jetzt sehen, dass viele Ärztinnen, viele Apothekerinnen sich da persönlich schon dafür einsetzen, ein gutes Beispiel setzen und vorangehen, mithelfen, dann ist das auch etwas, wo sie auch ihre eigene Lebensgrundlage, unserer aller Lebensgrundlage auch damit mit schützen. Nachhaltigkeit zahlt sich für mich mehrfach aus. Für die Umwelt, fürs Geldbörsel, fürs Image, fürs gute Gefühl. Das ist für mich ein bisschen so das Thema, das wir uns hier auch zu Gemüte führen.
[Christian Petz]
Darf ich jetzt ein bisschen einhaken? Nachhaltigkeit ist also auch eine wirtschaftliche Frage und nicht nur eine ethische. Wie groß ist das Einsparpotenzial, das Apotheken und Ordinationen in der Praxis tatsächlich realisieren können?
[Andreas Karner]
Ja, ich würde sagen, das kommt darauf an. Das kann stark variieren. Wir gehen jetzt im besten Fall aus davon, je nachdem, wo man startet, dass wir mit kurzfristigen Maßnahmen, ich bringe dann auch gerne ein paar Beispiele, meistens schnell eine Einsparung im ein- bis zweistelligen Prozentbereich, wenn man jetzt so von Kosten spricht, durchaus erreichen können. Ein Beispiel: Stellen Sie sich eine Ordination vor. Beleuchtung haben wir überall, gerade irgendwo im Untersuchungsbereich, vielleicht auch noch spezielle Beleuchtmittel, vielleicht noch eine alte Ordination, die noch nicht irgendwie umgerüstet wurde. State of the Art, sage ich jetzt einmal, technisch gesehen für die Beleuchtung ist es, auf sogenannte LED-Technologie umzustellen. Wenn wir von ganz alt auf ganz neu gehen, sind rechnerisch bis zu 50% Energiekosten einsparbar. Das heißt nicht, dass wir jetzt unsere Gesamtkosten um 50% automatisch reduzieren, aber genau von diesem Teil, der letztendlich auch für Beleuchtung ausgegeben wird. Wenn Sie das Ganze jetzt auf ein größeres System, auf ein Heizungssystem, auf Belüftungssystem, Klimatisierung sehen können, die Einsparungen vielleicht jetzt nicht, je nachdem, wie effizient diese Anlagen betrieben werden, vielleicht darunter liegen, vielleicht nur knapp 10%, 15%, aber jede Einsparung ist aus meiner Sicht etwas, was es wert ist, anzuschauen. Und das, was wir machen in der Beratung, ist einfach systematisch diese Potenziale zu erheben und zu schauen, was ist denn tatsächlich wirtschaftlich machbar?
[Christian Petz]
Spielt auch der Erwartungsdruck von Patientinnen und Patienten eine Rolle? Also wird Nachhaltigkeit zunehmend zum Wettbewerbsfaktor für Praxen und Apotheken?
[Andreas Karner]
Durchwegs. Also ob es jetzt unter den Praxen besonderen Wettbewerb aus dem Grund der Nachhaltigkeit oder der Effizienz gibt, bleibt einmal abzuwarten. Ich sehe schon, dass es einfach auch eine Überzeugung ist. Viele Patientinnen wünschen sich das natürlich. Also wenn ich jetzt in eine Arztpraxis gehe, okay, da bin ich vielleicht jetzt nur temporär, vielleicht eine halbe Stunde oder vielleicht ein paar Stunden dort und immer wieder. Die Mitarbeiterinnen, die dort arbeiten, sei es die Ärztinnen, sei es die Assistentinnen, wie auch immer. Wenn wir sagen, wir legen alle zunehmend Wert darauf und es gibt Vorreiter, die das schon tun, dann spiegelt das ein bisschen auch den Erwartungsdruck aller wider. Also ich glaube schon, es gibt ein Bewusstsein, Gott sei Dank, muss man auch sagen, durch viel Bewusstseinsarbeit, durch viel Information, diese Sensibilisierung schon stattfindet und dass es da viele Vorreiter gibt, die sagen: Ja, es ist ein gewisser Erwartungsdruck da und wir stellen uns dem und wir wollen aktiv etwas dafür tun. Es gibt ganz viele sehr überzeugte Ärztinnen und Ärzte, ganz viele überzeugte Apothekerinnen und Apotheker, die wir schon gesehen haben jetzt in unseren Beratungen, die sagen, sie wollen da jetzt etwas tun. Sie wollen jetzt ihr Gebäude sanieren, sie wollen auf Elektromobilität umsteigen. Also jeder kann für sich die kleinen Schritte bei sich suchen und hoffentlich auch finden und viele bekommen dafür auch oft ein positives Feedback. Und ich glaube, das ist auch ganz wichtig, dass wir auch das Feedback oder auch die Möglichkeit haben, letztendlich auch diesem Erwartungsdruck dadurch gerecht zu werden, dass wir darüber reden, dass wir auch über positive Beispiele kommunizieren. Da ist sicherlich auch Ihr Medium hier eine Plattform, einfach darüber zu reden. Ich glaube, das ist einfach ganz wichtig und man muss sich vorausschauend orientieren. Viele gehen natürlich mit der Zeit. Viele sehen auch, dass da Unterstützungen vorhanden sind, Förderungen, alles, was es dazu braucht, einfach sich dann dahingehend zu orientieren: Was kann ich persönlich tun? Wo gibt es Unterstützung dafür? Wer kann mir dabei helfen? Da braucht es dann meistens auch ein bisschen eine technische Unterstützung. Also alle müssen irgendwie mithelfen und die, die letztendlich profitieren, sind die Einrichtungen selbst und die können hoffentlich darüber auch positiv berichten.
[Christian Petz]
Die österreichische Energieagentur setzt im Auftrag des Bundes die Klimaschutzinitiative Klimaaktiv um und bietet mit dem Energiecheck auch ein konkretes Beratungsinstrument an. Wie setzen Sie das in Ihrer Arbeit mit Apotheken und Ordinationen ein?
[Andreas Karner]
Also Klimaaktiv ist eine bundesweite Initiative, die Klimaschutzinitiative des Bundes, die sehr vielfältig Unterstützung bietet. Der angesprochene Klimaaktiv Energiecheck ist aus meiner Sicht ein sehr gutes Einstiegsinstrument. Also für viele, die sich einfach einmal orientieren, einen Überblick haben wollen oder gewinnen wollen: Was geht da bei mir in Richtung Energieeffizienz oder Energieverbrauchsreduktion? Wo gibt es Einsparpotenziale? Wir nutzen diese Checkliste oft als ersten Schritt. Das heißt ganz praktisch, wir kommen in die Ordination oder in die Apotheke, analysieren in einem ersten Schritt den Energieverbrauch, fragen auch sehr viel nach: Habt ihr Abrechnungen? Wisst ihr, wie hoch euer Energieverbrauch ist? Wie viel braucht ihr für Strom? Wie viel braucht ihr für Wärme? Wann wird die Energie verbraucht? Wo wird die Energie verbraucht? Da braucht es manchmal auch ein bisschen einen genaueren Blick. Da helfen wir dabei, auch aus technischer Sicht ein bisschen genauer hinzuschauen. Wie alt ist die Heizungsanlage? Wie lang läuft die Lüftung? Läuft sie nur, wenn irgendjemand da ist? Vielleicht läuft die Lüftung auch ständig, dann auch in der Nacht oder am Wochenende. Also solche Dinge kann man sich ganz konkret auch in so einem Erstcheck anschauen. Auf der Basis machen wir dann meistens eine Erstanalyse, Grobanalyse, erstellen dann einen Bericht. Da gibt es dann auch ganz konkrete, ganz spezielle Empfehlungen, die die Einrichtung dann von uns bekommt. Das sind ja auch dann sehr oft Maßnahmen, die entweder gar nichts kosten, die einfach nur eine Nutzungsänderung bedeuten, wo ich sage: Okay, da schaue ich mir mal den Thermostat an und dann kann ich ein bisschen dahingehend optimieren. Oder sehr oft sind es einfach diese angesprochenen Low-hanging Fruits, wo wir einfach schnell Was abholen können und den Einrichtungen dann auch als Verbesserungsmöglichkeit präsentieren. Ganz wichtig ist, das ist alles sehr unkompliziert und kann sehr schnell Klarheit geben und das soll es ja auch sein. Diese Tools, dieser Energiecheck ist frei zugänglich. Es gibt darüber hinaus, auch dazu können wir dann noch im Detail reden, geförderte Beratungen, die unterschiedliche Bundesländer auch anbieten. Ich muss sagen, wir sind in Österreich sehr gut aufgestellt und sehr viele Unterstützungsmöglichkeiten und da sehe ich jetzt Klimaaktiv einen ganz wesentlichen ersten Umsetzungsschritt, um auch da herauszufinden, wo kann ich was besser machen.
[Christian Petz]
Was sind die häufigsten Schwachstellen, die bei diesem Energiecheck ans Licht kommen? Wo wird unbewusst am meisten Energie verschwendet?
[Andreas Karner]
Es gibt einige Standardmaßnahmen, die wir gerade jetzt im Energiebereich sehr oft identifizieren. Ich habe es vorher schon gesagt. Ein erster Anknüpfungspunkt ist das Thema Beleuchtung. Da kann man jetzt auch besonders schauen. Es ist nicht nur, mit welchen Lampen oder Leuchtmitteln agiert man, ob das jetzt schon noch alte Neonröhren oder Halogenlampen sind. Es geht immer auch darum, alles was unnötig ist, abschalten oder herunterfahren. Das gilt auch für viele Standby-Geräte. Wir haben sehr viele Geräte im Einsatz, ob es ein Computer ist oder irgendwo ein medizinisches Gerät, ob es ein Kühlschrank ist, da wo Medikamente gelagert sind. Auch die haben in der Regel eine Möglichkeit der Absenkung der Temperatur, je nachdem. Es gibt sehr viele versteckte Verbraucher. Die sollte man sich auf jeden Fall einmal zur Brust nehmen sozusagen und zu schauen, was verbraucht unnötig Strom. Und es gibt halt dann, ich sage jetzt einmal, die komplexen Anlagen, also alles, was in Richtung Lüftungsanlage geht, Klimaanlage, Heizungsanlage, teilweise natürlich auch dann die Gebäudestruktur an sich. Wie gut sind die Gebäude gedämmt? Habe ich neue Fenster drinnen? All diese Dinge schauen wir uns dann bei so einem Energiecheck an und dort gibt es überall, sage ich jetzt einmal, gezielt auch Maßnahmen, die wir sofort umsetzen können. Das geht immer in die Richtung: Brauche ich die Temperatur wirklich auf diesem Level? Gerade jetzt im Sommer, wenn man klimatisieren kann, auch nicht zu stark herunterkühlen. Gerade die angenehmen 22, 23 Grad sind sowohl im Winter als auch im Sommer irgendwo ein Limit, sowohl nach unten als auch nach oben, wo ich sage, darunter oder darüber hinaus sollte es nicht gehen, weil dort verbrauchen wir unnötig Energie. Ich sage immer, es muss komfortabel sein, aber es sollte natürlich jetzt nicht so sein, dass ich unnötig Energie verschwende. Heizzeiten an Betriebszeiten anpassen. Das sind so Dinge, die wir auch immer wiederum, aber da muss man natürlich schon ein bisschen genauer ins System schauen. Da gibt es einige Basics. Es gibt einige Maßnahmen, die brauchen ein bisschen mehr technisches Wissen, aber dazu sind wir da als Beraterinnen und Berater, um einfach herauszufinden, wo geht was und dort auch die ersten Erfolge im Wesentlichen auch zu adressieren, die es dann gilt auch umzusetzen.
[Christian Petz]
Wenn ich jetzt als Ärztin oder Arzt oder Apothekerin oder Apotheker sage, ich möchte meine Ordi oder meine Apotheke jetzt wirklich klimafit machen, wie würde ein erster Schritt mit Ihnen aussehen?
[Andreas Karner]
Also ein erster Schritt ist, wir kommen in die Einrichtung, wir machen eine erste Bestandsaufnahme. Wir werden in der Regel immer einen Vor-Ort-Termin vorschlagen, um uns die Einrichtung vor Ort anzusehen. Es geht auch da, so wie wir jetzt da ganz locker im Gespräch sind, auch dahingehend mit den Einrichtungsverantwortlichen, mit den Ärztinnen und Apothekerinnen vor Ort ein Gespräch zu führen. Das ist ganz wichtig. Wir nennen das manchmal, wenn es komplexer ist, ein Energieaudit. Also wenn es jetzt um Energie geht und Audit wissen wir aus dem Lateinischen, heißt eigentlich hören. Eigentlich heißt auch zuhören, aber es ist auch sehr viel sehen. Wir schauen uns dann auch die Anlagen vor Ort an und wir schauen dann, wie schaut es da aus? Wie wird dann auch mit Aspekten des Energieverbrauchs umgegangen? Wir machen einen Energiecheck, wir machen eine erste Kurzberatung, schauen, was es schon gibt, was ist auch schon umgesetzt, um ein bisschen auch da die positiven Aspekte schon auch mitzunehmen. Und wir versuchen einfach Potenziale zu ermitteln, zu schauen, was kann man noch verbessern. Das dann auch ganz konkret, auch nicht zu kompliziert, aber doch in einer Form aufzuschreiben, sodass es dann auch nachvollziehbar bleibt. Wir machen so etwas wie einen Maßnahmenplan. Wir versuchen da auch, die Maßnahmen nach Priorität zu reihen. Also alles, was so in die Richtung Quick Wins geht, was man schnell umsetzen kann, auch das als erste Priorität zu setzen. Möglicherweise kostet das ja auch noch nichts oder ganz wenig. Das ist ganz wichtig bei diesen ganzen Themen. Es gibt ja dann auch Maßnahmen, die man nicht so schnell umsetzen kann. Also ein Gebäude wird jetzt nicht so schnell dämmen können. Aber wichtig ist es, da Prioritäten zu setzen. Erstens, was ist der Kosten-Nutzen? Was kostet möglicherweise am wenigsten, bringt am meisten Nutzen? Und was lässt sich auch zeitlich gut unterbringen? Man muss ja auch denken, die Einrichtungen haben ja anderes zu tun, als sich jetzt nur um ihre Energieprioritäten zu kümmern. Und ganz wichtig, und das sage ich immer, auch von Anfang an, deswegen auch mit den Leuten reden, möglicherweise auch mit Mitarbeiterinnen und Kollegen reden: Wir wollen die Leute auch sensibilisieren und die Sensibilisierung im Team ist ganz ein wesentlicher Schritt, auch Der Beratung, aber auch als Ergebnis, dass wir sagen können, viele kleine Schritte lassen sich nur gemeinsam umsetzen und die Kolleginnen und Kollegen müssen mitgenommen werden. Und das ist ein ganz wesentlicher Aspekt. Das heißt, wenn wir das Gefühl haben, dass wir da alle irgendwie abgeholt haben und irgendwie ein bisschen systematisch die Themen abgegrast, dann lässt sich da auch schon ganz konkret ermitteln, in welche Richtung es gehen kann.
[Christian Petz]
Sie unterstützen Primärversorgungseinheiten, Ambulatorien, Apotheken und Arztpraxen bei der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen. Dafür wurde auch der Leitfaden „Zukunftsfitte Gesundheitseinrichtungen" entwickelt. Worum geht es bei diesem Projekt?
[Andreas Karner]
Der Leitfaden geht in erster Linie oder im Kern geht es in erster Linie darum, Gesundheitseinrichtungen auf ihrem Weg zu mehr Klimafreundlichkeit ganz praktisch zu unterstützen. Also jeder Leitfaden dient ein bisschen da auch sehr praxisorientiert, sich des Themas anzunehmen. Die Initiative für diesen Leitfaden oder für dieses Projekt geht ganz konkret aus von der Gesundheit Österreich. Die Gesundheit Österreich hat ein sogenanntes Kompetenzzentrum Klimaschutz und Gesundheitsförderung, arbeitet im Auftrag des Gesundheitsministeriums und ist in Österreich die Kompetenzstelle, was jetzt das Thema Klimafreundlichkeit in Gesundheitseinrichtungen angeht. Also da fühlen sich grundsätzlich einmal alle Einrichtungen von ganz kleinen bis zu den ganz großen angesprochen. Der Leitfaden dient dazu, Orientierung zu geben. Also ganz breit. Wir reden jetzt nicht nur über Energie, Energieverbrauch, sondern wir reden ganz praktisch über Themen Mobilität, wir reden über Beschaffung, Einkauf, wir reden über Abfallthemen, wir reden über bewusstseinsbildende Maßnahmen. Wir reden aber auch über Themen: Wie können wir uns gesund ernähren? Wie können wir aktiv mobil sein? Nicht nur am Weg zur Arbeit, sondern auch am Arbeitsplatz selbst. Also es gibt auch eine enge Verknüpfung mit dem Thema Gesundheitsförderung und das ist ganz wichtig. Und für uns jetzt als Beraterinnen oder im Rahmen des Projekts, das wir als Complusulta beraten dürfen, mittlerweile schon im vierten Jahr, haben wir sehr viel praktische Erfahrung aufgebaut. Es haben jetzt mittlerweile in dem ganzen Projekt Österreich weit, glaube ich, mittlerweile über 500 Einrichtungen mitgemacht. Wir durften knapp 250 von denen schon beraten im Rahmen dieser Initiative. Wie gesagt, zahlreiche Apotheken, Ordinationen, Primärversorgungseinrichtungen, aber auch Pflegeeinrichtungen, Rehakliniken, Spitäler. Ja, und der Anspruch ist es sozusagen jetzt nicht nur allgemeine Empfehlungen abzugeben, sondern auch ganz konkret zu werden. Also das Ziel dieses Projekts ist auch, hier Potenziale zu erkennen und Schritt für Schritt Maßnahmen umzusetzen, die praxisnah umsetzbar sind. Und ja, wie gesagt, kurzfristig bis langfristig auch eine Perspektive den Einrichtungen aufzeigen, wo es hingehen kann.
[Christian Petz]
Gibt es bereits Beispiele für eine erfolgreiche Umsetzung?
[Andreas Karner]
Ja, auf jeden Fall. Es gibt aus meiner Sicht eigentlich nicht nur ein einzelnes, sondern auch viele Beispiele. Natürlich, jetzt bei so vielen Einrichtungen muss man mal hervorstreichen, dass sehr viele Einrichtungen schon sehr viel umgesetzt haben. Wir sind mit vielen einfach auch im Nachgang in Kontakt und wir sehen das, was ich schon versucht habe anzuführen, dass viele Maßnahmen einfach mit überschaubarem Aufwand spürbare Wirkung entfalten. Das sind so Dinge, die einfach die Optimierung der technischen Anlagen bedingen, aber bis ganz vielen konkreten Dingen, wo einfach alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die ganze Belegschaft mitgenommen werden muss. Das ist jetzt nicht etwas, was ein Arzt oder eine Apothekerin in der Einrichtung selbst steuern kann, sondern es müssen alle mithelfen. Wenn ich sage, es geht ums Thema Abfalltrennung oder es geht ums Thema wie kommen wir möglichst effizient und möglichst gesundheitsfit zum Arbeitsplatz im Sinne, dass wir, was weiß ich, viel zu Fuß gehen, radeln, die Öffis nutzen oder uns elektromobil bewegen. Wie auch immer, das sind jetzt nur einzelne Beispiele. Ja, dann können wir auch getrost alle mitnehmen. Und das ist, glaube ich, auch sehr ermutigend, dass diese Ergebnisse oder diese Umsetzungen, die wir da jetzt beobachten, jetzt nicht nur auf große Häuser beschränkt sind, die sagen: „Okay, die haben jetzt vielleicht mehr Ressourcen, die haben mehr Personen, die sich darum kümmern können", sondern es gibt auch für die ganz kleinen oder für die kleinen Einrichtungen einfach immer was zu tun. Und wir sehen auch, dass wir ganz besonders bei, um jetzt auch noch mal die Arztpraxen und Apotheken hervorzustreichen, ganz viele positive Beispiele sehen, die das auch wirklich aktiv in Angriff nehmen. Und ich sage, Klimaschutz und Gesundheitsförderung oder Klimaschutz im Gesundheitswesen ist überall umsetzbar und für viele ist es einfach auch ein erster Schritt, um da realistisch irgendwo ans Tun zu kommen.
[Christian Petz]
Wie lange dauert es im Schnitt, bis eine Apotheke oder eine Praxis erste sichtbare Ergebnisse sieht? Also weniger Energiekosten oder weniger Abfall oder weniger CO2.
[Andreas Karner]
Ja, so als gelernter Techniker oder Berater sage ich immer, es kommt immer darauf an. Es kommt darauf an, was man umsetzt und wie schnell man oder wie systematisch man das angeht. Aber ja, kleine Erfolge, schnelle Erfolge sieht man auch sehr schnell üblicherweise. Also- Vieles von dem, was wir als Maßnahmen empfehlen, muss man gar nicht so streng betonen. Aber wenn ich sage, wenn ich es schaffe, irgendwo meine Stromkosten, meine Energiekosten, Heizkosten zu senken durch einfache Maßnahmen, die ich vorher schon ein bisschen dargelegt habe, dann sieht man, dass diese Einsparung sofort beginnt. Das kann im ersten Monat sein. Es ist nur die Frage: Sind wir in der Lage, das unmittelbar zu bemerken? Können wir das messen? Wenn ich sage, ja, wir haben eine grundsätzliche Messinfrastruktur. Mittlerweile sollten wir alle so etwas wie einen Smart Meter haben, also ein intelligentes Strommessgerät, das es auch ermöglicht, wenn man ab und zu einmal darauf schaut oder sich das online auswerten lässt, sofort zu sehen, wie sich der Energieverbrauch verändert. Wenn ich sage als Beispiel verbesserte Abfalltrennung, dann wird das vielleicht etwas sein, je nachdem. In den Einrichtungen haben wir üblicherweise nicht große gefährliche Abfallmengen, sondern wir haben das Übliche, was anfällt. Das ist Papier, das sind Kunststoffe, Verpackungen, Glas, Plastikverpackungen, ab und zu einmal irgendwie ein medizinisch relevanter Abfall. Das, was über die herkömmliche Müllentsorgung entsorgt wird, dafür zahlen wir alle Müllgebühren, auch die Einrichtungen zahlen das. Aber alles, was darüber hinausgeht und wenn ich sage, spare mir Sonderabholungen von Abfällen, die nicht über den herkömmlichen Hausmüll oder die herkömmliche Mülltrennung getrennt werden, dann kostet das extra. Und wenn ich das besser trenne und von vornherein auch vielleicht im Einkauf schon darauf schaue, was ich da vermeiden kann, dann spare ich mir auch bares Geld. Das sind kurzfristige Maßnahmen. Mittelfristig gibt es die größeren Investments, jetzt sehr stark in aller Munde. Das haben wir auch bei vielen Ordinationen, auch bei Apotheken gesehen. Die wünschen sich eine Solaranlage am Dach, eine Photovoltaikanlage, um selber Strom zu produzieren. Sinnvoll, absolut sinnvoll, auch mit den herkömmlichen Förderungen. Mittlerweile würde ich sogar sagen, ohne Förderung sinnvoll, aber es geht dann schon in Richtung eines Projekts, wo man es sich ein bisschen genauer anschauen muss und dann auch Experten einholen muss, einen Planer vielleicht einmal da einholen muss. Aber es geht auch dahingehend, zum Beispiel ein Energiemonitoring aufzusetzen. Also ganz konkret zu schauen, welche Verbraucher gibt es? Wie kann ich den Strom messen? Wie kann ich meinen Heizenergieverbrauch messen, meinen Kühlenergieverbrauch? All die Dinge brauchen ein bisschen sowohl eine Beschäftigung mit dem Thema als auch eine Kontinuität. Weil wenn ich sage, ich setze jetzt etwas um, dann werde ich das vielleicht erst in einem Jahr sehen, wenn ich dann vergleichen kann, wie war der Stromverbrauch im heurigen Jahr oder im darauffolgenden Jahr. Das heißt, hier brauche ich auch ein paar wirksame Tools, die mir helfen, auch ein bisschen meinen eigenen Erfolg besser messbar zu machen oder zu monitoren. Und aus meiner Sicht ist das langfristig gesehen, gibt es kein Ende. Es gibt kein festes Enddatum, wo ich dann sage: „Okay, jetzt sind wir nachhaltig und jetzt haben wir alles umgesetzt." Es gibt dann vielleicht einmal irgendwo den Punkt, wo ich gesagt habe, jetzt habe ich das schon gemacht, jetzt habe ich das schon gemacht und irgendwann bin ich da vielleicht einmal jetzt schon mit meinen Potenzialen ausgeschöpft, aber grundsätzlich würde ich das einmal sagen, das ist wie bei der eigenen Fitness. Am Anfang ist der erste positive Schub, der erste Erfolg kommt sehr schnell, wenn man irgendwie aktiv wird und das motiviert dann dranzubleiben und dann geht es immer darum, die Ausdauer zu haben und den nächsten Schritt zu gehen und dahingehend auch sich weiterhin, ich sage jetzt einmal auch vergleichend mit dem Wert, klimafit zu halten. Das ist, glaube ich, ganz wichtig. Es ist sicherlich ein Ausdauersport, aber es gibt einfach viele Möglichkeiten, sich da auch Unterstützung zu holen.
[Christian Petz]
Kommen wir noch einmal zurück zu den Quick Wins, also die Maßnahmen, die man schnell und ohne großen Aufwand umsetzen kann. Jetzt haben Sie vorher das Thema Beleuchtung angesprochen. Gibt es da sonst noch Quick Wins, die man beziffern kann, die gleich einmal funktionieren?
[Andreas Karner]
Ein Quick Win habe ich, glaube ich, auch schon angeführt, ist das Thema Geräte abdrehen, Geräte abschalten oder Geräte soweit in Gebrauch halten, solange sie in Verwendung sind. Das Einfachste ist jetzt, den PC-Monitor oder die Kaffeemaschine auszuschalten. Die haben zwar alle irgendwo einen Modus, wo sie sich ab und zu selber abschalten, aber irgendwo in einem Standby-Modus bleiben. Das heißt, sie verbrauchen immer noch ein bisschen an Restenergie. Manchmal kennt man das auch, man hat in seinen Büros auch schaltbare Steckerleisten, wo ich dann noch einmal schnell ein Gerät komplett vom Strom nehmen kann und es hat dann tatsächlich keinen Verbrauch. Das sind Dinge, die auch immer noch sehr einfach umsetzbar sind und wo ich sage, da braucht es einfach nur ein bisschen ein Bewusstsein. Je einfacher oder je besser sichtbar das jetzt vielleicht auch ist, desto eher werde ich das dann auch immer wieder machen. Es gibt sicher auch ganz konkret schnelle sozusagen Quick Wins oder schnelle Umsetzungen im Bereich Lüften und Heizen. Heizen ist jetzt gerade in der Saison nicht das Thema, aber auch Lüften. Stoßlüften statt Dauerlüften, das ist auch etwas, was man vielleicht auch von daheim kennt. Auch diese Empfehlung, dass man jetzt nicht lang, gerade im Winter, wenn es kalt ist, die Fenster stundenlang offen hat oder permanent offen hat, zwar gekippt, aber permanent offen. Heizung nach Plan regeln, vermeiden, dass ich aus dem Fenster heize. Das sind so Dinge jetzt im Sommer. Fenster zu, abschatten, wenn es geht, auch ein bisschen um diesen Solareintrag, den Sonneneintrag von außen, die heiße Luft ein bisschen hinten anzuhalten. Das sind Dinge, die kosten nichts oder die kosten wenig und da geht es eher darum, ein Bewusstsein zu haben, ein Bewusstsein zu schaffen und sich die Dinge einfach zu vergegenwärtigen. Viele Einrichtungen machen dann sich nette Sticker irgendwo hin, sodass man da auch jetzt, wenn man bei der Tür hinausgeht, nicht vergisst, das Licht auszuschalten oder setzen beispielsweise Bewegungsmelder in Gangbereichen um. Das kostet ein bisschen etwas, aber das ist etwas, was jetzt auch wirksam ist. Also es gibt die Maßnahmen, es gibt einiges, was mit wenig Aufwand geht und was sofort Nutzen stiftet und es gibt größere Umbauten oder größere Maßnahmen, die man halt einfach längerfristig planen muss.
[Christian Petz]
Was sind die häufigsten Fehler, die bei der Umsetzung gemacht werden? Worüber stolpern Apotheken und Ordinationen immer wieder?
[Andreas Karner]
Ja, es gibt aus der Beobachtung, sage ich jetzt einmal, ein paar Klassiker, wie es so ist. Also das, was für mich jetzt sozusagen in der Summe der Möglichkeiten, die es einfach gibt, immer ein bisschen schwierig ist herauszufinden: Womit fange ich jetzt an? Das heißt, so ein Klassiker wäre jetzt einfach, die Sachen irgendwie ein bisschen unsystematisch anzugehen und zu sagen: „Okay, ich mache jetzt einmal da etwas und ich mache ein bisschen dort etwas, aber ich schaue mir dann eigentlich systematisch nicht an, was hat es mir gebracht?“ Also irgendwie finde ich das schade, weil eigentlich kann ich sagen: „Ja, natürlich kann ich jetzt schnell etwas umsetzen und da braucht es auch keinen großen Plan dazu", aber es ist eigentlich auch ein bisschen eine vergebene Chance, auch zu sagen: „Aber was hat es mir denn gebracht?“ Ob es jetzt fürs Geldbeutel etwas gebracht hat oder ob es jetzt für meine eigene Motivation oder die Motivation der Mitarbeiter etwas gebracht hat. Also ich glaube, da so ein bisschen die Stoßrichtung, die wir versuchen, auch über die Beratung zu geben, ist: Versucht, ein bisschen systematischer zu denken. Versucht einmal, so ein einfaches Konzept zu erstellen. Da können wir unterstützen. Da können wir auch sagen: „Okay, da gibt es so eine Liste mit zehn Maßnahmen und nehmt euch vielleicht jetzt auch nicht zu viel vor, sondern beginnt einmal mit zwei, drei oder schaut einmal, wie das läuft. Redet auch darüber, diskutiert auch oder tauscht euch auch mit euren Mitarbeitern aus, ob die dann so ein bisschen ein Feedback haben. Holt auch Feedback von euren Patientinnen ein, Kundinnen ein." Also ich glaube, das sind so ein bisschen der Blickwinkel aus dem eigenen Tun heraus, sich ein bisschen mehr in eine systematische Auseinandersetzung mit dem Thema, würde ich jetzt einmal sagen, ist manchmal ein bisschen zu viel gegriffen, aber zu sagen: „Okay, ich kümmere mich darum und ich schaue einmal, was lässt sich da Schritt für Schritt umsetzen." Und das bedeutet letztendlich auch, dass wenn ich sage, okay, ein Konzept oder ich will im Prinzip das so systematisch wie möglich angehen, bedeutet das ja auch, sich ein bisschen überlegen, wer ist da zuständig dafür? Wen können wir da auch vielleicht nominieren? Das heißt ja noch nicht immer, dass die Chefin oder der Chef im Haus sozusagen das immer alles selbst machen muss, sondern vielleicht auch gezielt Kolleginnen delegieren kann, um da zu unterstützen. Also ein bisschen auch diese Zuständigkeiten, einen internen Kümmerer zu haben, das sehen wir sehr oft, ist ein großes Asset, wenn man den hat oder die hat, weil die, die es gern machen, sind natürlich umso motivierter und nehmen die anderen gerne auch mit. Aber ich würde auch sagen, weniger ist mehr, gerade am Beginn. Also zu viel auf einmal sollte man sich jetzt auch nicht vornehmen.
[Christian Petz]
Sie haben das Wort Unterstützung angesprochen. Wo finden Ordinationen und Apotheken Unterstützung, wenn sie das Thema Nachhaltigkeit angehen möchten?
[Andreas Karner]
Also zum Glück gibt es eine ganze Reihe von Unterstützungsmöglichkeiten und Angeboten. Wer loslegen will und wer sich da jetzt informieren will, der muss das jetzt definitiv nicht alleine machen. Zum einen gibt es sehr viele öffentliche Initiativen, Informationsplattformen, Beratungsangebote. Wir haben schon eines davon erwähnt, Klimaaktiv, den Energiecheck für Betriebe oder den Energiecheck für Arztpraxen ist eine dieser Informationsquellen oder diese Informations-Hubs, die sich da sehr stark mit diesen Themen auch anbieten. Darüber hinaus gibt es ganz speziell Förderstellen. Es gibt aber auch in den verschiedenen Bundesländern Regionalprogramme, also Regionalberatungsprogramme, teilweise auch regionale Beratungsförderungen, aber auch Umsetzungsförderungen. Das heißt, wir sind grundsätzlich in Österreich sehr gut aufgestellt mit dem Thema. Es gibt sehr viel Information, es gibt sehr viel Beratungsmaterial, es gibt sehr viele Checklisten und Möglichkeiten, sich selbst zu informieren. Es gibt natürlich spezielle Brancheninitiativen. Auch die Kammern, auch die Ärztekammern, die Apothekerkammern beschäftigen sich mit den Themen. Es gibt Fachveranstaltungen, es gibt diverseste Fachberatungen. Ich habe vorher das Projekt der Gesundheit Österreich erwähnt. Das ist jetzt eine ganz spezielle Initiative, die sehr breit aufgestellt ist. Also Ziel ist es wirklich, sich einerseits zu informieren, auch zu schauen, was haben die anderen schon gemacht, einfach auch zu lernen von dem, was wir jetzt Best Practice nennen oder wo wir sagen, dort gibt es einfach schon Dinge, die umgesetzt sind und da muss man das Rad nicht neu erfinden. Also praxisnah. Ist ganz wesentlich. Und mein Tipp ist immer an Einrichtungen, falls sie nicht wissen, wo sie sich hinwenden, einmal vielleicht auch im Haus oder bei den eigenen Interessensvertretungen nachfragen. Klimaaktiv ist, wie gesagt, eine Webseite oder eine Informationsplattform, die sehr breit ist, die man auch im Internet sehr gut findet. Förderstellen gehen oder zu schauen, wo man sich dann auch über Beratungen oder Beraterinnen informieren kann. Das wäre meine Empfehlung in diese Richtung.
[Christian Petz]
Kommen wir jetzt zu einer Frage, die sicher viele unserer Zuhörerinnen und Zuhörer stellen werden: Was kostet das alles und was wird gefördert?
[Andreas Karner]
Förderungen gibt es grundsätzlich vielfältige. Wenn wir uns das jetzt konkret anschauen, also was die Kosten betrifft, ich habe schon gesagt, kleine Verbesserungen, die Maßnahmen, die man im Kleinen umsetzen kann, müssen nicht viel kosten. Wenn ich sage, jetzt irgendwie Fenster abdichten. Für mich ist auch eine Dämmung einer obersten Geschossdecke, das sind Projekte, die man vielleicht sogar noch selber stemmen kann und die kosten jetzt vielleicht ein bisschen Material und ein bisschen Arbeitszeit, die man dann vielleicht aufwenden will. Lampen umbauen, das kann dann schon vielleicht ein bisschen etwas Aufwendigeres sein. Da muss man vielleicht einen Elektriker schon zur Rate ziehen. Aber auch das ist etwas, was vielleicht noch überschaubar ist, im Vergleich zu einer Gebäude umfassenden Gebäudesanierung oder zur Errichtung einer Photovoltaikanlage oder zum Austausch meines Heizungssystems. Man ist sicher gut beraten, sich jetzt einmal da vielleicht über eine Erstberatung, aber dann über eine Fachplanung oder über eine Fachberatung letztendlich auch dann konkret Kostenangebote geben zu lassen, diese Angebote auch sinnvollerweise zu vergleichen und sich dann zu überlegen und Gott sei Dank bieten das die Berater dann durchwegs auch an oder auch die Planer, zu sagen: Mit welchen Förderungen könnte man dann da rechnen? Die Förderungen sind sicher ein, ich würde sagen, wir gelernten Österreicher sind es gewohnt, da vielfach Förderungen in Anspruch nehmen zu können. Das ist natürlich auch ein bisschen der Wohlfahrtsstaat, der uns das hier Gott sei Dank ermöglicht. Österreich ist da sehr, was Klimaschutzambitionen betrifft, doch sehr unterstützungswillig, auch wenn jetzt gerade in Zeiten von Budgetnöten vielleicht da und dort die Budgettöpfe etwas schmaler werden oder enger werden. Aber grundsätzlich alles, was Investitionen in erneuerbare Energien, in Energieeffizienz, in Ressourceneffizienz, Materialeffizienz, Kreislaufwirtschaft, Dämmung, wie gesagt, moderne oder effiziente Technologien im Gebäudesegment oder bei Anlagen betrifft, dort sind wir durchwegs ganz gut aufgestellt, was Förderungen betrifft. So eine Faustregel heißt im Schnitt 20 bis 30% einer Investition, also der umweltrelevanten Investitionskosten, wenn Sie jetzt da ganz konkret solche Maßnahmen ansprechen, werden in der Regel je nach Verfügbarkeit der Budgettöpfe gefördert. Dazu kommen dann eben noch kostenfreie Beratungen, wie wir sie jetzt im Rahmen dieses Projekts anbieten, die dann im Vorfeld natürlich auch schon ein bisschen eine Vorselektion oder zumindest auch ein bisschen eine Priorisierung ermöglichen. Kurzum, wer Maßnahmen setzt, muss die in der Regel nicht alleine schultern. Es gilt natürlich schon, einfach gute, saubere Kostenanalysen und Kostenkonzepte einzuholen, sich unbedingt gut informieren, auch informieren, was Förderungen gibt, die dann passend sind und sich dann überlegen, wie man das Ganze dann schrittweise gut umsetzen kann.
[Christian Petz]
Welche Förderstellen sind die wichtigsten Anlaufpunkte? Und stelle mir vor, dass das bei einem Förderdschungel ist. Wie begleitet man die Kundinnen und Kunden in diesem Dschungel?
[Andreas Karner]
Ja, tatsächlich, es ist schon ein bisschen ein Dschungel. Das nehmen wir jetzt auch sehr oft bei den Einrichtungen wahr. Sie fragen uns dann auch: „Erstens, ich kenne mich nicht aus. Wo schaue ich nach?“ Und dann ist das auch durchwegs sehr technisch, was dann hier gefragt wird. Mittlerweile, ich würde sagen, die großen wichtigsten Förderanlaufstellen in Österreich sind einerseits, was Investitionen betrifft, die Umweltförderstelle des Bundes, die Kommunal Ja, wichtig ist auch, dass man sich vorneweg schon informiert, bevor man die Maßnahme startet. Ganz vielen Förderungen ist es explizit vorgesehen, vor Beginn der Erstmaßnahme, bevor ich dann die Anlage schon bestelle oder meinen Elektriker beauftrage, dort einzureichen, sich zumindest zu registrieren und dann im Nachgang hat man ein bisschen Zeit, diese Unterlagen nachzuschicken. Dann ist man safe und dann kann man sozusagen auch davon ausgehen, dass der Antrag positiv bearbeitet wird. Darüber hinaus, wir haben jetzt die Bundesförderung angesprochen, gibt es verschiedene Landesförderungen, also zahlreiche Bundesländer. Ich würde sagen, fast alle Bundesländer haben in irgendeiner Form eine Art der Maßnahmen, die Umweltsförderungen betreffen, wo man dann einerseits auch wiederum Beratung im Vorfeld bekommt und andererseits dann auch tatsächlich Investitionen unterstützt werden. Ganz spezielle Fördereinrichtungen sind zum Beispiel die Ökostromabwicklungsstelle des Bundes, die ÖMAG, die dann bei beispielsweise, wer das schon einmal gemacht hat, eine Photovoltaikanlage eingereicht hat zur Förderung. Die werden dann über diese Stellen abgewickelt. Darüber hinaus gibt es Beratungsstellen, also Energieberatung, teilweise Klimaaktiv habe ich schon genannt. Da gibt es verschiedene Anknüpfungspunkte auch zu Landesberatungsstellen. Da gibt es dann auch sozusagen ganz spezielle Unterstützungen. Das Projekt klimafreundliche Gesundheitseinrichtungen habe ich schon erwähnt. Das ist so eine spezielle Förderinitiative. Sie sehen, es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, auch hier sich frühzeitig zu informieren, sich frühzeitig einen Überblick zu verschaffen. Das sehen wir auch ein bisschen als unseren Auftrag bei den Beratungen vor Ort. Das heißt, es muss sich keiner fürchten davor und wenn er Fragen hat oder wenn Sie Fragen haben, können wir das auf jeden Fall auch mitnehmen und das ist auch ein Teil in unserer Beratung, wo wir sagen, wir schauen, was es Passendes gibt und wie wir Sie da auch dahingehend weiterhin unterstützen können.
[Christian Petz]
Haben Sie konkrete Beispiele aus Ihrer Beratungspraxis, idealerweise einer Apotheke oder einer Praxis, die diesen Weg bereits gegangen sind und heute sagen, das hat sich wirklich gelohnt?
[Andreas Karner]
Ja, definitiv. Ich würde gerne ein Beispiel für eine Apotheke bringen. Ich nenne jetzt keine Namen, aber eine typische Hausarztpraxis auf dem Land, wo wir sagen, es könnte auch eine Primärversorgungseinrichtung sein, die sind allerdings neuer und die sind durchwegs zu einem guten Stand der Technik erbaut, aber nehmen wir jetzt einmal an, eine Art der Hausarztpraxis. Dort haben wir das über das Beratungsprogramm so weit gebracht, dass wir gesagt haben, wir machen für euch einmal eine erste Datenanalyse, wir schauen einmal euren Status quo an, wir ermitteln für euch ganz konkret, welche Empfehlungen gibt es. Und da ist typischerweise das, was immer kommt oder fast immer kommt, ist: Wie gehen wir mit dem Energieverbrauch um? Wie schaffen wir es letztendlich auch, diese unmittelbar umsetzbaren Maßnahmen im Bereich der Beleuchtung, im Bereich beispielsweise einer Zeitschaltuhr für die Heizung beziehungsweise auch für eine Serverinfrastruktur. Teilweise stehen ja auch Server dann vor Ort, weil wir dann letztendlich auch Datenverarbeitung haben. Wir haben Kühlschränke, wir haben Kühlgeräte. All diese Geräte einfach einmal ein bisschen in den Griff zu bekommen, dass wir schauen, die werden optimal genutzt und werden dann auch wiederum ausgeschalten oder zum Teil auch reduziert, wenn sie nicht in Verwendung sind. Heizungszeiten optimieren, das ist ein Thema, das wir ganz konkret bei fast allen Einrichtungen uns auch anschauen. Das heißt, geht die Heizung automatisch in einen Sparmodus, wenn die Praxis zu ist? Wird das über Thermostate beispielsweise geregelt? Wird das schon geregelt, dass sie dann am Wochenende, wenn gerade jetzt nicht Wochenenddienst ist oder so, einfach auch entsprechend zurückgeschalten wird. Wir machen meistens dann auch so ein kleines Abfallmanagementsystem. Wir schauen uns dann an, wie kann optimal vor Ort der Müll getrennt werden und das auch letztendlich im Kleinen, ohne viel Aufwand wirksam umgesetzt werden. Also das, was dort vor Ort bei Ordinationen, auch kleinen Ordinationen, durchwegs ein ganz schneller Quick Win ist. Wir schaffen es, zu sagen: „Okay, da kannst du dir Energie sparen. Dort kannst du vielleicht sogar Abfallmengen sparen." Dort gibt es andere Themen, die halt dann einrichtungsspezifisch einfach zutage treten. Und ganz wichtig: Wir schauen, dass wir da letztendlich auch eine Information so weit aufbereiten, dass Mitarbeiterinnen in der Praxis und Patientinnen letztendlich da auch sensibilisiert werden. Das ist so ein typisches Set an Maßnahmen, die ganz schnell auch ansprechbar sind, auch in kurzer Zeit wir auch dann vor Ort einfach auch schnell einen Eindruck gewinnen, wie ist die Ordination aufgestellt und wo wir dann letztendlich auch dahingehend motivieren können, dass wir sagen: „Schaut her, da gibt es einfach Dinge, die könnt ihr schnell umsetzen und das kostet nicht viel. Und wenn ihr es noch schafft, das irgendwie ein bisschen zu verfolgen, wie ihr euch da mit der Umsetzung tut und deshalb vielleicht ein bisschen auch schaut, was euch das dann an Einsparung gebracht hat, dann habt ihr da schon auch fast gewonnen", würde ich einmal sagen.
[Christian Petz]
Jetzt sind wir schon fast am Ende. Wenn Sie sich etwas wünschen könnten, wo steht das österreichische Gesundheitswesen beim Thema Nachhaltigkeit in, sagen wir, fünf Jahren?
[Andreas Karner]
Wo steht das österreichische Gesundheitswesen in fünf Jahren? Ich glaube, da gibt es sicherlich noch einiges zu tun. Ich glaube, was wesentlich wäre, ist, dass wir es schaffen In der Breite einfach jede Art von Einrichtung irgendwie mit so einem Projekt zu sensibilisieren, ob das jetzt direkt über eine Beratung ist oder über das weitgehende Angebot, das auch die Gesundheit Österreich bringt. Es gibt ja auch Ausbildungen, es gibt auch sozusagen eine Ausbildungsschiene zum Klimamanager, zur Klimamanagerin. Auch das ist ein kostenfreies Angebot, wo auch ganz gezielt Fachexperten in den Einrichtungen ausgebildet werden. Wenn ich mir jetzt wünschen darf, dass wir das auf den Weg bringen und sagen, okay, alle Gesundheitseinrichtungen haben sich da zumindest einmal mit dieser Thematik befasst. Vielleicht die einen oder anderen, oder wir machen es zumindest in unserem Projekt, wissen Bescheid über ihren Energieeinsatz, wissen Bescheid über ihre Abfallmengen, wissen Bescheid über wie ökologisch ist ihr Einkauf anhand von ganz konkreten Kriterien, setzen sich mit dem eigenen Mobilitätsverhalten auseinander, setzen sich auch mit der Sensibilisierung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auseinander. Also wenn wir sagen, wir schaffen es hier mit einfachen Mitteln, aber doch systematisch eine Art Klimaschutzfahrplan zu bringen. Ich will jetzt nicht sagen, dass das jetzt alles nur durch uns als Berater forciert werden muss. Es gibt ganz viele, die das von sich aus schon machen. Dann bringen wir das sicher viel weiter. Wir leben davon, dass wir uns alles ein bisschen auch konkreter vorstellen können, wenn wir irgendwie zielgerichtet in eine Richtung streben. Also wenn wir sagen, wir haben auch ganz konkrete Ziele vor Augen, wo wir hinwollen, auch jetzt als Einrichtung, wenn wir sagen, wir wollen schauen, dass wir alle unsere Potenziale zumindest kennen und dann entscheiden, wie viel davon können wir jetzt in den nächsten fünf Jahren umsetzen, wie viel müssen wir dann irgendwie noch aufbringen, vielleicht auch noch Finanzierung aufbringen, dass wir noch in zehn Jahren unsere Gebäude sanieren können oder so und unsere ganze Energieversorgung auf fossilfreie, CO2-freie Heizungssysteme wie eine Wärmepumpe in Verbindung mit einer Photovoltaikanlage oder einer Biomasseheizung zu bringen. Dann haben wir da noch einiges vor uns und dann würde ich einmal sagen, ist es für mich schon einmal ein Gewinn, dass ich sage, das Gesundheitswesen wird dahingehend unterstützt, ihre Verantwortung wahrzunehmen, ihre eigenen Potenziale zu kennen und im Kleinen wie im Großen – und da spreche ich jetzt ganz konkret noch einmal die Apothekerinnen und Apotheker an, die Ärztinnen und Ärzte – in ihren Räumlichkeiten, in ihren Einrichtungen zu schauen, dass sie das für sich im Kleinen, aber wir alle als Gesellschaft im Großen auch lösen können. Und im Zusammenspiel mit den Unterstützungsmöglichkeiten, den Fördermöglichkeiten würde ich einmal sagen, der Anspruch muss sein, dass wir vielleicht in fünf Jahren da ein gehöriges Stück weitergekommen sind und dass man da vielleicht in 10, 15 Jahren und das spricht ja auch ein bisschen so unseren Zielsetzungen, auch der österreichische Staat oder der Bund hat sich auch vorgenommen, bis 2040 sozusagen klimaneutral zu sein. Ist ein großes Ziel, bedeutet auch sehr viel Engagement dahinter, aber im Kleinen, im Großen, glaube ich, ist es wichtig, dass da alle an einem Strang ziehen.
[Christian Petz]
Eine Frage habe ich noch: Wenn Sie einer Apotheke oder einer Praxis eine einzige ganz konkrete Empfehlung mitgeben könnten, was sollte diese morgen früh als Erstes tun?
[Andreas Karner]
Was sollte sie morgen früh als Erstes tun? Ich glaube, der erste Schritt wäre für mich: Schauen Sie sich morgen früh, wenn Sie morgen in die Einrichtung kommen, in die Ordination kommen oder ich sage jetzt einmal spätestens nächsten Montag, gleich einmal in der Früh den Energiezähler an. Schauen Sie einmal, ob Sie ihn finden und schauen Sie einmal, wenn nicht selbst, dann vielleicht mit Kolleginnen und Kollegen. Schauen Sie sich ihn in der Früh an und dann schauen Sie sich am Abend noch einmal an und schauen, was Sie dann Energie verbraucht haben. Das wäre schon mal ein erster Schritt und machen Sie sich bewusst, wofür Sie Energie und Ressourcen brauchen. Und das wäre für mich der erste wesentliche Tipp: Bewusstsein schaffen oder Bewusstsein erlangen und damit dann auch einfach starten.
[Christian Petz]
Herr Diplomingenieur Karner, vielen Dank für Ihre Zeit, Ihre Expertise und dieses sehr praxisnahe Gespräch durchaus zu einem Thema, das uns alle angeht. An Sie, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, alle heute erwähnten Infos finden Sie wie immer in den Show Notes direkt unter dieser Episode. Bis zur nächsten Folge von Am Puls mit der Standesbank, dem Podcast der Österreichischen Ärzte- und Apothekerbank. Und was immer Sie machen, machen Sie es gut. Ihr Christian Pitz.
[Intro & Outro]
Danke fürs Zuhören. Der Am Puls mit der Standesbank-Podcast ist eine Produktion der Österreichischen Ärzte- und Apothekerbank. Mehr Infos zum Podcast und zu unseren Themen finden Sie unter apobank.at. Wir freuen uns, wenn Sie das nächste Mal wieder dabei sind und bis dahin bleiben Sie am Puls.